Einmal kam der Wundenmann hinter der Ecke in meiner Wohnung hervor. Er ging direkt auf mich zu, sehr ruhig und gleichmässig, auch wenn er stark humpeln musste, weil eine seiner Achillesfersen durchtrennt war. Ich bemerkte sofort im Augenwinkel seine Bewegung. Er stand dann neben mir, etwa eine Minute, bis ich vom Schreibtisch und meinen Unterlagen aufsah und ihm direkt in die Augen schaute. Als wäre unser Augenkontakt sein Zeichen gewesen, öffnete er seinen Mund und entnahm ihm etwas. Er führte die Hand mit dem Gegenstand vor mein Gesicht und öffnete seine Faust. – Wundenmann

Über Felix Hölter – Münchner Autorennachwuchs

Felix Hölter, geboren 1991 in Freising, ist ein junger Autor aus München. Dort arbeitet er neben seinem Masterstudium der Philosophie als Online-Texter. Seit November 2017 besucht er die Schreibwerkstatt der Komparatistik der LMU und gab im Februar sein Kurzgeschichten-Debüt im Rahmen der PULS-Lesereihe. Neben anderen Texten findet sich der dort vorgetragene Text Wundenmann in der Rubrik texte. Als Nachwuchsautor untersucht Felix Hölter die Möglichkeiten der Sprache und versucht ein Konvolut von Surrealität, Unterbewusstsein und der allgegenwärtigen Abartigkeit und Gewalt dessen zu verhandeln, was deutsche Kultur und Geschichte genannt wird, nicht ohne die eigene Biographie auszusparen.

Weitere Projekte

Neben dem Schreiben spielt der Autor in zwei Bands, betreibt ab und zu Noise-Performances und schreibt Rezensionen für ein kleines Musikmagazin.